My Mässvärsli und werum y dangg em Bolo nid ha miesse afoo briehle

Ursula Rychen, Basler-Mundart-Autorin aus Arlesheim, erinnert sich an eine ganz spezielle Begegnung mit Bolo in der Redaktionsstube der Basler Woche:

Also, dasch esoo gsii: ane 1956 het die doomoolygy BASLER WUCHE e Rubrygg gha „Kinder schreiben Gedichte“. Zur Herbschtmäss hany ains yygschiggt.
Druffaabe hany e Briefli biko an Fräulein Ursula Müller, und y bi s ganz Briefli dure-n als Frolain gsyyzt worde. Y soll doch bitty emool ame Noomidaag uff dr Redaggzioon verbykoo. Das hany gmacht und drnoo isch dört ebe-n au grad dr Herr Mäglin drbyygsii, und die baide Heere hämmy ins Gebätt gnoo. Dr ander Herr (Bader?) het my rychtyg aapfiffe – und ych ha-n allewyl gschnäll brielt, wenn öpper d Stimm erhoobe het. Är het gmaint, ob y none-n eltery Schweschter haig, wo das gschriibe haig. My Babbe, dr Rhyschugger Müller Albi het als Schriftsetzer d Lehr gmacht bi de Basler Noochrichte, und y ha gsait, sy solle-n em delifoniere, är wurd ene saage-n ass y numme none glaine Brueder haig. Dr Herr Mäglin isch ganz fründlig und rueig bliibe. Är het my ganz lieb gfrogt, ob ys villicht bim Blasius oder bim Theobald Baerwart abgüggslet haig. Und y glaub, är het au my Babbe kennt, är het ämmel gfunde, me miess em nid äxtra aalütte. Und schliesslig hett är mr e Bleistift in d Hand druggt und e Blatt Bapyyr vor d Nase glegt und gsait, y soll doch none Värs drzue mache. Esoo isch dr Värs mit dr alte Dame no drzue koo, und denn hänn sy ändlig welle glaube-n ass ych das Gedicht sälber gmacht haa. Dasch my Bekanntschaft mit em Herr Mäglin gsii und wäge-n ihm hany au nid grad afoh briele, wo dr ander Herr mii aabäffzget het, ych haig doch das nid sälber gschriibe.

Das besagte Gedicht der damals dreizehnjährigen Verseschmiedin möchten wir euch natürlich nicht vorenthalten:

Herbschtmäss (Ursula Rychen, 1956)

Samschtig! Zwölfi! Hörsch es lüte?
Kind und Hund sin uf de Bai!
Alles rennt uf d’Mässblätz hüte,
und e mänggs kunnt spööter hai.

Vor jeedere Bahn e grossi Mängi,
wo druggt und dränglet in däm Gnuel.
Dert schupfe gwissy jungy „Dame“
us dr hööchere Döchterschuel.

E-n-alti Dame lacht drzwische;
au sii wird doo grad wider jung.
Si drait e Huet mit Fääderewische
und zaigt de Junge-n-ihre Schwung.

Maagebroot und Dürggehoonig
logge gluschtig uf em Brätt.
Und d’Kinder zahle-n-immer noonig,
obwohl’s scho lengschtens glütte hätt.

Dr Hääfelimärt am Petis oobe
stellt si zerbrächlig Züüg zer Schau;
„Soo billig, numme bis hüt zoobe!“
rieft dr Billig Jakob schlau.

D’Autelibahn graischt falschi Noote,
aber misse möcht me’s nit.
Au das Johr isch si wider groote,
die Mäss; drum los, mir mache mit!


Weitere Leckerbissen zur Basler Herbstmesse, diesmal aus der Feder vom Herr Mäglin persönlich, gibt es hier unter Gedichte von Bolo zur „Mäss“.