Unseri – die ainzigi Fasnacht

Ob Ain in Yänkeduudlie Doller sammlet,
ob Ain uff de Antille ummerammlet,
ob Ain in Argentinie Gfrierflaisch paggt,
ob Ain z‘ Bolivie ummestrolcht halb naggt,
ob Ain z ‚Australie d Känguruuli ryttet,
ob Ain dert Schoof schärt oder Schybe kittet,
ob Ain in „Afrique“ Diamante grabbt,
ob Ain am Nordpol Tran uus Funsle labbt —
Wenn er e Basler isch, isch’s hundewurscht:
Er griegt noh syner Basler Fasnacht Durscht!

Ob Aine syg e Diggen oder e Lange,
ob Ain e Fass syg oder e Fahnestange,
ob Aine Hoor haig oder au e Glatze,
ob Ain e Kluft trait, wonem d‘ Hose blatze,
ob Ain e Frau haig oder nummen e Mysli,
ob Ain uff Bänggli pfuus, ob immene Hysli,
ob Ain e Hirsch syg oder en ibli Nummere,
ob Ain e Millionär syg in Belzbummere —
E Basler griegt noh syner Fasnacht Durscht
und — isch derby! (… und s Ander isch em wurscht!)

Ob Aine Gmies verkauft, ob alti Hose,
ob Ain mit Rossmischt handlet, ob mit Rose,
ob Ain als Styrbiamte d‘ Kundschaft degglet,
ob Ain als Schlirggi gar gärn „arnoldbegglet“,
ob Ain als Journalischt e Kircheliecht isch,
ob Aine hinder den Ohre no ganz fiecht isch,
ob Ain e Schugger oder (oder?) e Knot isch,
ob Ain politisch schwarz, ob giggelrot isch —
E Basler griegt noh syner Fasnacht Durscht
und — isch derby! (… und s Ander isch em wurscht!)

Ob Aini sittsam isch, ob ehnder luusig,
ob Aini härzig jung, ob alt und gruusig,
ob Aini Miller haiss, ob Meria-Kechli,
ob Aini ’s Dram in bar zahlt, ob mit Lechli,
ob Aini schetzt ’s ärnscht Symphonie-Konzärt,
ob Aini meh e Tschässbändfurz begärt,
ob Aini d Fingerneegel glänzt im Byro,
ob Aini numme Zedeli schrybt fir ’s Giro…
E Baslere griegt hald noh dr Fasnacht Durscht
und — isch derby! (… und ’s Ander isch ere wurscht!)

Ob Aini Tscheepli striggt fir d‘ Haidekinder,
ob Aini „nundedie“ sait, ob „pfytschinder“,
ob Aini Louis-Quinze-Bai het wie d‘ Dirgge,
ob Aini aim vor Liebi mecht verwirgge,
ob Aini ehnder kiehl vo Tämperemänt isch,
ob Aini s Häsli vome Dissidänt isch,
ob Aini bychtet, goht in d‘ Synagoge,
ob Aini gscheyt isch oder vyl muess frooge …
E Baslere griegt hald noh dr Fasnacht Durscht
und – isch derby! (… und ’s Ander isch ere wurscht!)

Was Baslerbluet isch, duet sich nit grooss kimmere
Und iberlosst d Bedängge glatt de Dimmere —
Ob waissgottwo, ob in de Basler Muure:
An unserer Fasnacht, do will kains versuure!
Was isch en „Escalade“, e Säxilytte,
Wenns gilt, sy Basler-Stäggepfärdli z‘ rytte?
„Fasching“ mag andere Volggsstämm d‘ Zyt vertrybe,
doch D‘ FASNACHT … die ghert UNS — und wird is blybe!


Publiziert im Februar 1953 in der «Quartier Dante» Nr. 32, einer Quartierzeitung des Santihans.

Unseri die ainzigi Fasnacht - Quartier Dante 1953

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Lotti Krauss
Lotti Krauss um 1937

Dieses Gedicht war ebenfalls Hauptbestandteil einer von Bolo geschriebenen Vorfasnachtsveranstaltung unter dem Namen „Unseri – die ainzigi Fasnacht. E Fasnachts-Zyklus in 18 Nummere“. In guter fasnächtlicher Tradition benutzte Bolo hier stat tseines richtigen Namens eines seiner zahlreichen Pseudonyme („Theophrastus Winggelbläch“). Es wirkte im Ensemble „D’Giggernillis“, welches den Grossteil des Programms bestritt, u.a. die namhafte Basler Malerin Lotti Krauss mit (die beispielweise für die Illustrationen in „Erinnerung an Bolo“ verantwortlich ist).

Unser - die ainzigi Fasnacht. E Fasnachts-Zyklus in 18 Nummere.

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