Unseri Fasnacht und ihr Comité

Y soll – so het mer d’ Redaktion lo bstelle –
Vo unserer Fasnacht generell verzelle,
Vo ihrem Wäse, ihrem Zyl und Zwägg
Und was an Ärbetli derhinter stägg.
Y wott mi gärn där Uffgoob underzieh
Und brichten iber ’s Was, und Wo und Wie.

I.

Kuum goht am Wiehnachtsbaum ’s letscht Kerzli ab,
Isch ’s unseraim, me her stadtuff-stadtab
Scho, wie si „gässle“ mit de Baslerkibel !
De Fremden in dr Stadt wird ’s drab fascht ibel –
Im Bebbi teent ’s wie Muusig in den Ohre
Und z’ innerscht inn fangt ’s bynem a z’ rumore
Und d’ Sähnsucht waggst – me maint, me mies vergoh,
Bis ’s ändlig haisst : Retleng – jetz isch si do,
Die scheenschti Zyt wo ’s fir e Bebbi gitt !
Vor y dervo verzell, mecht y e Schritt
Gedangglig zrugg in alti Zytte tue,
Denn ohni Zwyfel ghert das au derzue.

II.

Y mues das Thema halt e glai zerglidere
Und mues afange bi den alte bidere
Traditionelle Brych ! Do kämt z’ erscht d’ Froog :
Wohär stammt d’ Fasnacht (dailne Lytt e Bloog,
Im Groossdail aber glatt e hälli Fraid ) ?
Wohär, hänn ys die Schriftgelehrte gsait :
Si goht in altersgraui Zytte zrugg,
In Zytte, wo me z’ Basel no kai Brugg,
Kai Rothuus gha het, und kai Nienenyt –
Denn Altersgrau isch jo die Maskezytt,
Und d’ Wisseschaftler lehn sich das nit raube :
Die Maskefeschter sinn e Froog vom Glaube,
E Froog vom Volk, e Froog vom Kultus gsi,
Althaidnisch, wämmer sage näbehi !
Johrhundertlang hett d’ Kirche, d’ Obrigkait
Die Maskefeschter gänzlig untersait,
Aposchtel gar hänn schwär dergeege gschwauderet ! –
Trotz allem, was die Prominänze blauderet
Und krampft hänn, isch dä Bruuch no hitte do –
Und wird, wie aznäh isch, au nie vergoh !

Am bodeständigschte, me mues das lobe –
Im Alpeland und z’ Skandinavie-n-obe
Blybt d’ Maskefraid bestoh syt eltschte Zytte,
Und d’ Wisseschaftler dien das däwäg dytte :

D’ Macht vo de Doote – die hett ’s Volk beherrscht !
Der Glauben an die Macht hett z’allererscht
Die Masken uffbrocht in gar vyle Norme
Und dailwys wirgglig in skurrilschte Forme !
Der Maske-Schritt – in allem Firlefranz –
Dä isch im Grund gnoh wienen Art e Danz.
Sältsami Grysch dien d’ Maskedänz beglaite :
Vom „Schwirrholz“ mien mir d’ Räre härelaite,
„Die Flöte“ isch by uns e Piccolo,
’s Drummle hänn mir verfyneret ibernoo –
d’ Gryschinstrumänt mit allem Drumunddra
Hänn also scho die Ur-Uralte gha !
D’ Macht vo de Dooten isch an allnen Orte
Nit nur dur Mummeschanz sinnbildlig worde :
Si hänn als Rächer gulten und sinn ’s blibe –
Si hänn de Sinder ihre Zorn verschribe –
Drum sinn au d’ Maskefeschter, här wie hi,
En Art e „Sühne-Zeremonie“ gsi !
Und d’ Maske-Zig, so hett men als verzellt
Hänn ganz urspringlig wildi Heer dargstellt,
Wo nächtlig tobt hänn – dohär d’ „Wüerisheer“
Uus alter Zytt : Me hett scho der Verkehr
Vom „WALAPAUZ“ (zue Langobarde-Zytte)
So als en Art e „Klopfgaischt“ gsuecht gha z’ dytte
(Wie scheen, dass mir, wo d’ Walapauz nit kenne,
In Basel doch e Marsch „Glopfgaischt“ benenne !) –
Der „Herlechinus“ uus der Normandie
Haisst „Herr des Heeres“, und er wanderet y
Als „Harilo-King“ – und do merkt me fyn :
Das isch dr altbekannti „Harlekin“ –
Bi uns het ’s druus dr „Blätzlibajass“ gä ! –
Me kennt no anderi als Byspyl näh :
Der Schembart und d’ Perchte, d’ Hagazusse (Häxe !)
Wo in dr Gschicht ihr’ Fetzeler-Rolle gäxe,
Und d’ Huttler, d’ Schleicher, d’ Stopfer, d’ Gäuggel, d’ Löli
(’s Letscht sait me hitte noh in ainer Wöhli) –
Dänggt men an d’ Chungeri (Glunggi !), d’ Bööge, d’ Butze,
So wird men ab däm Zämmehang nimm stutze . . . . .
Au Maske z’ Pfärd hänn an gar Mängem Ort
E Rolle gspilt bis hitt – mit Ritt und Wort !
( By uns mahnt nur no ’s Junteressli dra ),
D’ Vorrytter hänn en anderi Uffgoob gha –
Si mache, was e mänge Bundesroot
Nit macht : Si mache Blatz, ass ’s vorwärts goht . . .

Und noonen andere Bruuch ghert do in Rahme :
Die Ryche hänn als friehjer ihre Dame
Zierlig mit „Rüthelein“ mit Sprüch beschänggt –
Hitt schänggt me . . . Zeedel här ! . . .me hätts nit dänggt !
Und hett ’s die alte Grieche scho nit pfihlt,
„Komödie“ z’ spile (wo me hitt no spilt ),
Mit Reed und Mimik anderi abe-z’ mache,
So mache mir hitt gnau die glyche Sache
Mit Goschdynm, Transparänt, in Värs und Prosa,
Und ’s kimmeret ys kuum, spilt ain d’ Mimosa –
Er mues es halt in Kauf näh, ’s hilft em nyt :
Er isch „Der Sünder“ uus der alte Zytt.
Das wär in kurze Zig en Iberbligg
Vom Fasnachts-Ursprung – und vom Masggegligg !
Doch d’ Hintergrind vo unserem Fasnachtstrybe
Mecht y ganz bschaide (’s isch nit lycht !) beschrybe.

Y glaub, der Läser intressiert persé
D’ Uffgoob vo unserem Fasnachts-Comité !
Vor alle Ding isch das esoo z’ verstoh :
Mir sinn nit ebbe zem befähle doo,
Vylemeh zem ordne, hälfe – zem dra mahne,
Dass alles Gränze hett ! Wo fiehrti ’s ane,
Wenn jede by däm gwaltige Verkehr
Kennt wurschtle, wiener wott! Das zwingt is sehr,
Richtlinie z’ gäh . . . und das in allne Sache,
Wo zämme unseri liebi Fasnacht mache !
Y glaub, mir leese das als halbwäggs gligglig !
Me darf jo nit vergässe, dass d’ Entwigglig
Vo unserer Stadt enorm isch ! – Näbeby
Isch d’ Fasnacht hitt fir d’ Fremdeninduschtry
E Faktor, wo me nimm ewägg ka dängge !
Drum gilt ’s , si megligscht samft, doch däwäg z’ längge
Und d’ Zigel sooo z’ ha, dass es joo nie haisst :
Me haig versait, und d’ Fasnacht syg entglaist !
Denn d’ Basler Fasnacht isch zue Wältruehm ko !
Drum gilt uns als Prinzip : Sy syg dernoo !

Was ’s Finanziell betrifft, derf me betoone :
D’ Fasnacht läbt vellig ohni Subväntieone
Vom Staat ! – Y glaub, dass Si das intressiert :
Dass d’ Fasnacht sich ganz sälber finanziert –
Y darf vilicht au no derzue betoone :
Gsamt-Volkswirtschaftlig goht si an d’ Millione !

Und jetz zue uns! ’s maint mänge, ’s Comité,
Das syg e Glygge vo „Privileschiee“ !
Drum wott y doo mit kurze Wort probiere,
Si gschwind vo unserer Arbet z’ informiere !
Stuun kais: Die fangt . . . gly noh dr Fasnacht a !!!
’s teent paradox – doch ’s luegt sich däwäg a :
Kuum isch die alti Fasnachtsbiez verby,
Mues ’s Comité scho bi der neje sy !

D’ Druggsache priefe (denn verschosse wärsch,
Wenn d’ jemols Mangel hättsch an Fasnachtsmärsch !) –
’s Lokal fir ’s nägschti Monschter reserviere –
Der Proberuum im „Löwezorn“ notiere –
Die erschte neje nägschte Sujets bueche
(Sunscht flueche si – die Fynere wie d’ Rueche ) –
Im Mai kunnt d’ Presidänte-Komferänz,
Denn d’ Glyggevorständ miechte sicher Dänz,
Wenn si die zwaiti scheeni Zugs-Plakette
Z’ spoot kriegte, gar ins Kemmi schrybe sette !
Denn goht ’s zem Gligg de Summerferie zue –
Do hett au ’s Comité e Rung lang Rueh !
Im Augschten aber goht ’s scho wider los,
Und sälli Uffgob isch denn bsunders grooss :
’s goht fir d’ Plakette jetz um d’ Sujet-Wahl –
Do wird im Comité oft d’ Fraid zur Qual :
Soll me vo eltere Vorschleg aine näh ?
Soll ’s besser grad e neje „Concours“ gä ?
E Wettbewärb fir unseri Kinschtlerschaft,
Wo denn natyrlig neji Froge schafft ?
Der Monet druff bringt scho e wohri Fron,
Denn jetz kunnt scho d’ Organisation
Vo Sitzige ! Puncto Verkehr und sooo
Mues das an unserer Fasnacht z’ glabbe ko !
Gitt ’s neji Glygge ? Blyben alli alte ?
Wie wämmer ’s mit em Monschterdrummle halte ?
Soll das, wie friejer, nur zwai „Weekend“ goh ?
Soll ’s „en suite“ im Terminkaländer stoh !
Wie soll me d’ Billjee-Abgoob durefiehre ?
Was wänn divärsi Glygge durestiere ?
Wär kriegt ’s Prysdrummle (wär isch „Proteschee“ ) ?
D’ Wahl vo dr Monschter-Drummelschuel duet weh,
Die Delegierte groote sich in d’ Hoor – – –
Wär hett das Johr e Jubileeumsjohr ?
( Wurd AI Gsellschaft vergässe – glaubet dra –
Hätt ’s Comité die scheenschte Zytte gha ! ) –
Soo goht ’s ! Und alli Wuche hett me z’ tue
Und fleete goht aim mängi Sunntigsrueh,
Und mänggmol findet me, ’s syg fascht e Fron . . .

Im Speetlig goht ’s an Acquisition
Fir unsere Fasnachtsfiehrer „Rädäbäng“ !
Isch d’ Ufflag grooss gnueg ? Isch dr Schriftsatz z’ äng ?
Dernode kunnt dr Ydrittskarte-Drugg,
Druff abe kriegt my Hirni fascht e Bugg :
Verhandlige mit der Securitas,
Mit Saniteet und Bolizey (kai Gspass)
Und mit em EW ( wägem Liechterlesche
Am Morgestraich ) — ob d’ BVB-Kalesche
Am „Banlieu“ stationiere ? Ob die Nare
Vyl z’ friej wänn an dr Fanacht d’ Stadt durchfahre –
Denn macht aim d’ Monschter-Marschverloosig hitzig !
Und denn ’s Programm fir d’ Glyggehere-Sitzig !
Denn d’ Zedeluusgoob fir in d’ Baslerhalle
Am Zyschtig ! – Alles das duet zämmefalle . . . .
So goht ’s dagdäglig, Frooge git ’s an Frooge,
Wo alli aim bis in Dezämber blooge :
So d’ Guggemuusigfroog fir ’s Monschterdrummle !
Derfsch d’ Waisebuebe z’ hole nit verbummle !
Muesch mit der Radiobonze unterhandle !
Und muesch Di in e Pumpgenie verwandle
Bym Briefabfasse fir die edle Genner
( Wie schwär das isch, das wisse numme d’ Kenner ) !
Kurzum : Das alles sinn Dezämbersache !
Und wenn dr Jänner kunnt, hesch au nyt z’ lache,
Denn jetz fangt fir dr „comitierti“ Ma
Der Rummel (mit Verdopplig ! ) vornen a:
Plaketten-Abgob ! Monschter ! „Fiehrer“ läse –
Und Sitzig, Sitzig, Sitzig . . . Gschyss und Wäse !
Und zwischedry periodisch d’ Präss bediene !
Bisch none Mensch ? Bisch iberal und niene !
(Uff alli Fäll bisch niene meh dehaim ! ) –
Und so goht ’s bis an d’ Fasnacht ! In de Draim
Steehnsch ammen uff – ai Alpdrugg hesch am andere –
Zuchthysler hänn e lychter Seelewandere . . .
Und wenn denn d’ Fasnacht kunnt, stohsch wiene Zwärg
Am Platz . . . mit Gnoche . . . „façon Stainebärg“ !
UND DOCH : De machsch ’s ! ’s mues ebber gäh, wo ’s macht !
Und ohni Fasnacht sy ? Das wär jo glacht !
Denn : Soone Fasnacht git ’s jo nienemeh,
Syg ’s jetz by Hudelwätter, Sunne, Schnee . . .
Der Witz duet me by uns subväntioniere,
Doch nie kai Rang-Premierig durefiehre !
Hersch mänggmol au e Schangi, sone stiere :
„Mir hänn der Erscht !“ – sag däm, er dät blagiere :
Rang-Lyschte kennt me nit uff Basler Bode !

’s gilt usserdäm by uns die alti Mode :
Wär Larve trait ( und wär er noo so scharf ),
Dä sait und macht nytt, was er sunscht nit darf !

Me reagiert sich mängge Erger ab !
Verschloht ’s vilicht de Fremden au dr Schnabb –
Uns isch das wurscht ! Denn sowytt simmer nonig,
Dass mer verzichn uff die „Sinde-Chronik“,
Wo mängem guet tuet, bis zue heegschte Here,
Will mänge ( wenn er gscheyt isch ) vyl ka lehre,
Syg ’s jetz e Biezer, syg ’s e noble Ma –
Das goht zuefellig alli Schwyzer a !

Denn ’s Scheenscht an unserer Fasnacht isch bald duss,
Drum hani mer ’s verspart bis ganz am Schluss :
’s Scheenscht an der Fasnacht – was am maischte paggt –
Das isch d’ „Tuechfielig“ – das isch der Kontakt,
Wo Alt und Jung und Arm und Rych verbindet –
E Byspyl, wie me ’s uff der Wält nimm findet !
Do ruesst und pfyfft dr Biezer näbem Her –
Do gitt ’s kai „Grüezi“ und kai „Frait mi sehr“ –


Verfasst Fünfzigerjahre, publiziert in der National-Zeitung.