Dr Wundersuntig

Ehr het dä Dag sym Namme wirgglig gmacht:
So wytt me gluegt het, het aim d› Sunne glacht;
Dä Himmel, wolggelos und strahlend blau
(Statt wie dur d› Wuche dure Grau in Grau).
Dä Schnee, wie Silber, rings uff Wald und Fäld,
Uff Dorf und Stadt – e wohri Wunderwält –
Tief het me-n-Otem gholt, fascht otemlos,
Und gspyrt: ’s isch aine, unsichtbar und grooss,
De Mensche-n-und im Menschefride hold –
Oh Goldigsuntigs-Gold!

Die ganzi Stadt – dr raini Duubeschlag!
Gspyrt hänn au d› Gschäftslytt: ’s sich e Sunnedag.
D› Natur in ihrem Glanz, e-n-Augewaid,
Het d› Mensche-n-aagsteggt, gfillt mit Feschtdagsfraid!
Dä Dag het aifach feschtlig miesse stimme
Wie kain im Johr und wie syt langem nimme.
In hääle Streem sinn d› Lytt an d› Luft go laufe –
In hääle Streem go Wiehnachtsgschängger kaufe –
In hääle Streem isch ene ’s Gäld in d› Kasse grollt,
Das goldig Suntigsgold!

Dä Dag z› vergässe, wär e wohri Sind!
Und wenn D› dra dänggsch, so dängg dra, Menschekind:
Syg au dur ’s Johr gar mänge Dag tief grau –
Aimol kunnt ’s als doch wider, ’s Himmelsblau!
Und dunggt Di mängs im Läbe trieb und schwär –
’s kunnt allewyl e Sunne naimehär!
Und ’s kunnt noh schwärer Zytt voll Sorg und Glaag
Fir jede Mensch als doch e Sunnedag!
Dängg dra und hoff – stell ’s wytter in Dy Sold,
Das Goldigsuntigs-Gold.

Martin Bim


Publiziert am 23. Dezember 1935 in der National-Zeitung

Anm. d. Red.:
Der Begriff «hääl» bedeutet laut Basler Wörterbuch von Rudolf Suter «hell» oder «ganz».
Beispiel: «In hääle Streem» = in ganzen Strömen / «In hääler Uffreegig» = in heller Aufregung / «hääli Angscht» = nackte Angst