Baseldytsch

An sälli Uusnahme,
wo elei rächt baseldytsch kenne …

Y waiss, ihr wärdet mänggmol d Nase rimpfe,
Fiehrt eych dr Zuefall myni Värs vor Auge –
Er wärdet haimlig kritisiere, schimpfe
(s gitt Lytt, die sturbe ohni Nergeler-Lauge).
«s haisst doch nit: immer! s haisst doch: allewyl!»,
So her ys vo so Besserwisser teene;
Und «s haisst nit: Gfiehl! Denn z Basel sait me: Gfyhl!»,
So her y mängge (glopfgaischtähnlig) steehne.

Du liebi Zytt: Wie gaischtrych-primitiv
Sinn doch so Lytt mit ihre Sprooch-Bischwärde!
Y bi mi Läbe lang nie exklusiv
Und nie extrem gsi … und wotts nie wärde.
Mir tuets es, ass me, wony stand und gang,
Mir noochesait, y sig e rächte Bebbi;
Me kennt sy Veegeli halt doch am Gsang
Und merggt: Die Sprooch lehrsch nit grad by der ‚Schleppi‘ …

Y wott my Freyhait ha … au in der Sprooch,
Do lychtet mir kai Museums-Typ y:
Die wandlet sich wie s Läbe, goht em nooch –
Und s Lycheschände hass y, nundebybby!
Wär hit no ‚Ruhmmilch‘ preediget, ‚Hoschehoh‘
Und ‚Nohdisch‘ anstatt Dessert, ka mir bloose.
So bini halt … und mir schleen d Kinder noh,
Und wie die schwätze, darf me z Basel loose …


Hans Christian Blumer legt in der Einleitung von Unvergessene Basler Dichter 3 mit folgenden Worten Bolos Offenheit gegenüber dem Wandel der Sprache sehr schön dar:

Bolo verwendete in ihnen [Anm. der Red.: seinen baseldeutschen] Gedichten eine Sprache, die sehr nahe am gesprochenen Dialekt bleibt, ohne sich sklavisch an phonetische oder an dialektologische Spitzfindigkeiten zu halten, allerdings auch ohne durch exotisch wirkende oder längst veraltete Ausdrücke besondere Authentizität vorzutäuschen. „Y wott my Freyhait ha … au in der Sprooch“ heisst es im Gedicht „Baseldytsch“ […]