Dr Knuschti und sy Bach

(Er schreitet leicht schwankend zu einem Bänklein am Rheinweg.)

Do wäre mer am alte Blatz wie gwöhnt !
                  (Schaut an den Himmel und in die Wellen)
Was sich au hütt ? Wieso hett ’s do vier Mönd ? :
Zwai obe . . . und zwai unde . . . in de Wälle ?
                  (zum Mond am Himmel)
Hesch du e Knüppel, Gsell, du silberhälle ?
Hesch au e Sumpftour gmacht gly nohnem Schufte
Und muesch dy jetz am Rhybord go verlufte ?
                  (sitzt aufs Bänklein. Räkelt sich)
Du hesch es schön, dir wartet, wenn du ’s hausch,
Kai Alti miteme ellelange Plausch !
Kumm hogg ze mir ! Fröllain, zwai Zwaier Dôle –
Ain für dr Mond – und ain für mi ! – Zem Wohl !
                  (er mimt Anstossen, Trinken und lacht)
Jäjä . . . mir sinn no Ain, he . . . du und ych –
Mir basse zämme . . . uns goht ’s jedem glych :
                  Wenn ych als aine ha, mues ych an Rhy –
                  Y hogg uff ’s Kanoe by Stäg vom Fähri
                  Und dänk: Er wird scho in dr Kischte sy,
                  My ewig-wyblig-eheliche Bäri !
                                    (über die Achsel Richtung „heim“…)
                  Studier dy Red – das hesch jo uff em Kaschte !
                  Henu – das duet mi seelisch kuum belaschte !
                  Fang a . . . denn isch es bi y kumm verby !
                  Mir gfallt ’s am Rhy . . . am lieben alte Rhy !
                                    (er spricht mit dem imaginären Mond neben ihm)

Hösch, Mond : Y ha scho ghört, du sygsch bewohnt ?
Jää : Mänggmool bisch doch nur e HALBE Mond ???
Keyt denn als d’ Hälfti Mondbewohner abe ?
Will si kai Blatz me hett ? Schwätz doch, du Schabe !
                  (lauscht, nickt zustimmend)
Ah joo . . . Ha ’s au scho dänggt, so insgehaim :
Es sinn jo SOOVYYL . . . HINDEREM Mond dehaim !
Doo hett ’s vom Bundeshuus gwis au derby !
                  (lauscht, lacht)
UND au vom Basler Roothuus . . . cha scho sy !
Dasch DÄNE-n-ihre Kummer, Silbertschooli –
My Mutti druggt das nit ! – Sag, hesch no Joli ?
                                    (er mimt Anstossen und Trinken)
                  Wenn ych als aine ha, mues ych an Rhy –
                  Y hogg uff ’s Kanoe by Stäg vom Fähri
                  Und dänk: Er wird scho in dr Kischte sy,
                  My ewig-wyblig-eheliche Bäri !
                  Studier dy Red – das hesch jo uff em Kaschte !
                  Henu – das duet mi seelisch kuum belaschte !
                  Fang a . . . denn isch es bi y kumm verby !
                  Mir gfallt ’s am Rhy . . . am lieben alte Rhy !
                                    (er stupft den imaginären Mond neben ihm)

Hesch du scho gseh, wie hütt das Münschter schwankt ?
Hänn ächt die bäide Türm au äin z’ vyl tanggt ?
Was gsehn d’ Groossbasler aigetlig vom Münschter ?
Vo dört uus gsehn die nur d’ Chemie-Verdünschter
Zweitausig Meter hoch ! E Wald vo Kemmi
Vo Gränzach obe bis zur Kämbserschwemmi !
                  (fuchtelt über den Rhein)
Groossbasler, wenn dy Bligg soll ’s Münschter präiche,
So müen Ihr scho ins „minder“ Basel läiche :
Doo gsehsch ’s sooo schön . . . ass d’ Wasser kriegsch in d’ Auge. . .
Für UNS isch ’s baut! Jäwoll ! (zum Mond) Hösch, hesch no Lauge ?
                                    (mimt Ansossen und Trinken)
                  Wenn ych als aine ha, mues ych an Rhy –
                  Y hogg uff ’s Kanoe by Stäg vom Fähri
                  Und dänk: Er wird scho in dr Kischte sy,
                  My ewig-wyblig-eheliche Bäri !
                  Studier dy Red – das hesch jo uff em Kaschte !
                  Henu – das duet mi seelisch kuum belaschte !
                  Fang a . . . denn isch es bi y kumm verby !
                  Mir gfallt ’s am Rhy . . . am lieben alte Rhy !

Polizist: Was mache Si doo, heee ?
Knuschti: Y wart uff dr Wild Ma. . . Y glaub, er isch cho ! Worum, he ?
Polizist: Ah, Du bisch es ! Solü äinewäg ! Aber y glaub, es wär Zyt, ass
De-n-in Dy Böngaloo schneje dätsch !
Knuschti: Was isch denn für Zyt, hösch ?
Polizist: Sunntig !
Knuschti: Dasch my Haltstell, do muess y uuse ! Salü !
                  (Er verschwindet. Während der Polizist ihm lachend mit Kopfschütteln nachschaut, hört man Plätschern. Der Polizist fährt zusammen . . . aber Knuschti kommt und kämmt mit nassen Fingern die nassen Haare.)
Polizist: (aufatmend) Was isch, bisch öbben in Rhy kejt ?
Knuschti: Nänäi . . . y ha numme my Büüle dunkt . . . ’s hett ere guet too !
Polizist: (grinst) Du bisch non e Nuudle, Du ! Salü Knuschti ! (geht ab)
Knuschti: (ruft ihm nach) Tschau Dicke . . . schloo dy Gugelhopf-Form nienen a !!!
(holt Luft) Aaaaaa . . . jetz isch mer wöhler !
                  (spricht nüchtern und besinnlich)

Ych bi als Bueb scho gärn am Rhybord ghockt !
Und mänggmool hett mi als e Sähnsucht bloggt –
Hätt mit de Wälle welle bis ans Meer . . .
Y draum ’s als hütte no . . . und handumkehr
Sag y mer wider: Knuschti, Du blybsch doo !
So wytt ass D’ au rhy-uff, rhy-ab wottsch goh –
WO isch das Bild so . . . un-uussprächlig schön
Wie z’ Bsel . . . wo die alte Hüser stöhn ?
Dr Rhy gspürt ’s s ä l b e r au . . . sy Wällegang
Isch mänggmol wiene dunkle Liebes-Gsang !
Jäääjäää – mir sinn no Zwai – der Rhy . . . und ych !
Mir passe zämme . . . uns goht ’s jedem glych :
                  (neuer Refrain, besinnlich leise)

                  Wenn ych als öppis ha, mueas ych an Rhy !
                  Y hogg uff ’s Kanoe bim Stäg vom Fähri !
                  Sy Plätschere, Murmle lullt mi sälig y –
                  Ych murmle mit . . . und furt goht jedi Schwäri !
                  Und wiener ruejig mahnt . . . ganz ohni Haschte . . .
                  Wird ’s Härz aim frei vo allen Aerdelaschte . . .
                  Y gspüür: Dr Rhy isch my . . . und ych bi sy !
                  Es blybt derby . . . gäll, lieben alte Rhy !
                                    (Turmuhr schlägt. Knuschti schaut zum Mond)

(ganz leise, innig) Jetz het er e Hof . . . e Höfli . . . e Höfleli ! Salü !

(Knuschti geht still lächelnd nüchtern ab.)

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Rahmenstück für die Kleinbasler Clique „VKB“ und seinem
Freund Willi Balzer auf den Leib geschrieben, vermutlich 50er Jahre.

Dieses Werk ist als Tonaufnahme erschienen auf „Rudolph (Bolo) Maeglin liest eigene Gedichte“. Gedichte-CD. Basel 2003.