Anekdoten

Dr „Herr Mägli“ – e verständnisvolle Lehrmaischter im Zeedelschryybe und Värslibrinzle

Von Werner Laubi, Spalenclique, am 30.12.2019

Uff d Fasnacht 1952 het mr der Ernst Schepperle, wo am Spalering e Milchhandlig gha het und Obmaa vo de Junge gsi isch, gsait, ych miess dr Zeedel fir die Junge schryybe. Als Lehrmaischter het er mir dr Bolo Mäglin (dr „Herr Mägli“) vermittlet. Der Privatunterricht het abwäggsligswys in ainere vo de verschidene Wirtschafte z Binnige stattgfunde.

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Keller voller Zeitungen, mit Bolo, guten Gesprächen, einem Klöpfer, Brot und Tee

Von Peter Gugger, ehem. Gaiferi Clique, am 21.02.2020

Heute habe ich auf fasnacht.ch den Beitrag über „Bolo“ gelesen und mich in der Zeit zurückversetzt gefühlt und zwar in den Keller voller Zeitungen, mit Bolo, guten Gesprächen, einem Klöpfer, Brot und Tee.
Einfach unvergessliche Abende mit ihm.
Herzlichen Gruss
Peter

Er war geradezu der Knotenpunkt des Basler Journalismus

Von Hanns Ulrich Christen (-sten), ehem. Publizist der National Zeitung + Nebelspalter, in einem Nachruf an Bolo im Nebelspalter Nr. 21 von 1973

Einige Zeit später lernte ich Bolo kennen. Ich war damals schon Journalist und Bolo war der einzige Kollege, der mir gleich das Du anbot. Manche andere haben’s bis heute noch nicht so weit gebracht. Ausserdem war er einer der wenigen, die mich nicht mit Futterneid bedachten. Und er war einer der ganz wenigen, die mitunter einen guten Rat gaben, eine Idee mit mir besprachen oder sonst etwas taten, was man von Journalisten gewöhnt ist (vom Film her, nicht von der Praxis). Und dazu kam, dass ich überall auf Bolo stiess, wo es etwas Interessantes gab. Er war geradezu der Knotenpunkt des Basler Journalismus.

Pfoschtewy

Von P.M. in einem Leserbrief im Binninger Anzeiger vom 23.12.1998 anlässlich Bolos 100. Geburtstag.

Bolo gehörte irgendwie zum Strassenbild des damals noch etwas ruhigeren Dorfes [Binningen]. Fast täglich marschierte er mit einem dicken Bündel Zeitungen unter dem Arm die Hauptstrasse hinauf, begleitet von seinem treuen Hund. Im «Jägerstübli» suchte er sich eine stille Ecke aus und dann wurde geschrieben, von der Leber weg.
Es kam auch hie und da vor, dass wir Bolo nach der Turnstunde im alten «letzten Batzen» trafen. Bolo war ein geselliger Mensch, mit vornehmer Zurückhaltung. Wir, damals noch junge Turner, konnten mit ihm über Gott und die Welt diskutieren und politisieren. Die Zeit verging dann schnell bis zur Polizeistunde. Während der Wirt, Fritz Schleh, sein obligatorisches, vormitternachtliches Nickerchen auf dem Stuhl beim Ofen absolvierte, bestellte Bolo noch eine Runde Magdalener. Um einer Busse wegen Überhockens zu entgehen, wurde der Wein auf dem Gartenhag [resp. dem Pfosten] der gegenüberliegenden Liegenschaft platziert. Das war dann der berühmte «Pfoschtewy», ein unvergesslicher, süffiger Tropfen.

Die Wanderschrift, sie läuft davon …

Von Urs Mäglin in einem Leserbrief in der BZ.

Der Bericht der BZ vom 21. Juli 2020 über die Geschichte der Wanderschrift auf dem Seilerhaus am Barfüsserplatz weckt tatsächlich Erinnerungen und Emotionen. So auch bei meinem Vater, dem Basler Schriftsteller Rudolph Bolo Mäglin, der dem aus damaliger Sicht technischen Wunderwerk gleich einen Blödelvers widmete. Als Melodie bemühte er das Weihnachtslied „Oh Tannenbaum, oh Tannenbaum, wie grün sind deine Blätter…“. Noch heute erinnere ich mich an den Text:

Die Wanderschrift, sie läuft davon, von früh bis spät am Abend.
Sie wandert ohne Wanderstab, geht nicht bergauf, und nicht bergab.
Und wenn sie müd ist, setzt sie sich.
Gott ist der Vers erlabend.“

Und weil etwa um die gleiche Zeit die Empfangsantennen des neuen Mediums Fernsehen wild aus Basels Dächern schossen, schob er gleich noch einen Vers (zur gleichen Melodie) auf dieses neue Phänomen nach:

Oh Tannenbaum, Antennenbaum, wie fahl sind deine Blätter.
Der Osterhas hängt Eier dran, damit man sie nicht finden kann.
Doch geht Sie das rein gar nichts an,
und zwar nicht im Geringsten.“

Wer Bolo und seinen wohltuenden Humor kannte, dem wird ob solcher Erinnerungen das Herz aufgehen.

Seine ganze Erscheinung machte ihn zu einem „Mössiö“

Ch. Roos aus Binningen, ein Grossneffe des legendären Künstlers und Efinders der kaschierten Larve Paul Rudin, erinnert sich an Bolos Erscheinung während seiner Kindeszeit.

Ich selber habe Bolo Mäglin nur vom Sehen gekannt. Da ich viel bei meinen Grosseltern an der Schlossgasse war, fiel er mir auf, da er offenbar oft diesen Weg ging. Schal und weisse Handschuhe waren nicht grad alltäglich. „Das isch ebbe dä, wo d‘ Gilberte gschriibe hett und wo dr glai Nazi macht.“, wurde mir dann erklärt.
Den Grund für die Handschuhe (Kollophonium-Allergie) kannte ich damals nicht, aber es fiel in der damaligen Zeit schon auf. Seine ganze Erscheinung machte ihn zu einem „Mössiö“ (Monsieur), wie man damals sagte. „Man“ kannte ihn, wie man sich im Dorf eben allgemein noch kannte.


Anm. der Redaktion: Die Anekdoten wurden unter dem Einverständnis der zitierten Person oder deren Nachkommen veröffentlicht. Andere wurden aus bereits veröffentlichten Quellen übernommen.