Biographie

Bolo in jungen Jahren als Zeitungsredaktor bei der National-Zeitung.

Rudolph Bolo Mäglin (auch „Rudolf“ und „Maeglin“), (* 26. Dezember 1898 in Basel; † 28. April 1973 in Binningen) war ein Schweizer Journalist, Publizist, Schriftsteller, Dichter und Kabaretttexter.

Bolo Mäglin wurde am 26. Dezember 1898 als viertes von insgesamt sechs Kindern am Herrengrabenweg 22 in Basel geboren.

Nach einer Banklehre wurde er mit 17½ Jahren Buchhalter. Dem eher eintönigen Büroleben als Buchhalter erklärte seine Phantasie dann jedoch bald den Krieg. Er hängte den Beruf an den Nagel und wurde Zeitungsreporter. Der entscheidende Schritt in eine Erfolg versprechende Zukunft als Journalist, Publizist, Schriftsteller, Dichter und Kabaretttexter war damit getan.

Für verschiedene Tages- und Wochenzeitungen schrieb er anfangs Sportberichte, Kritiken über Filme, Theateraufführungen und Gastspiele von Zirkussen und Variétés. Dem folgten in Bälde seine bei der Leserschaft äusserst beliebten humorvollen und spitzen Berichte Erlauschtes vom Bäumli in der Basler Woche über Streitfälle im Basler Zivilgericht an der Bäumleingasse.

Im Jahre 1926 gründete er als freier Mitarbeiter der National-Zeitung (heute Basler Zeitung) die Sonderbeilage Dr glai Nazi. Bis Ende der 60er-Jahre war Bolo Mäglin der Patenonkel dieser beliebten Kinderbeilage und veröffentlichte darin regelmässig seine Gedichte.

Bolo an der Tour de Suisse in den 40ern
Bolo (hinten im Auto) als Sportreporter an der Tour de Suisse in den 40ern.

Es gab Zeiten, in denen er unter sechs Pseudonymen gleichzeitig schrieb, um die Behauptung Lügen zu strafen, wer lyrische Gedichte verfasse, dem könnten unmöglich auch noch kulturelle Aufsätze, Theaterrezensionen, Sportberichte, satirische Glossen und packende Erzählungen für die Jugend gelingen. Darunter waren zum Beispiel Namen wie „Prokurator“ und „Bimbolo“. Da ein italienischer Clown namens Bimbolo ihm die Benutzung dieses Namens verbot, entstanden daraus schliesslich „Martin Bim“ und „Bolo“. Letzterer sollte für immer sein Spitzname bleiben.
Es kam nicht selten vor, dass enttäuschte Leser Texte von ihm angriffen und ihm rieten, er solle sich an Artikeln von anderen ein Vorbild nehmen und aus ihnen lernen – Artikel, die nota bene ebenfalls aus seiner literarischen Küche stammten.

In Binningen, wo er seit 1947 mit seiner Frau Elsa „Elsy“ Mäglin (* 1904; † 2006) und seinen zwei Kindern Marie-Louise „Marly“ (* 1938) und Urs Beat (* 1941) wohnhaft war, konnte man ihn beinahe täglich mit einem Bündel Zeitungen und einer seiner Schreibmappen unter dem Arm antreffen. Er zog sich zum Schreiben gerne in einen Winkel des „Rebstocks“ oder des „Jägerstüblis“ zurück, war aber bisweilen durchaus auch für ein geselliges Gespräch bei einer Tasse Café oder einem Glas Wein zu haben. Eine weitere bekannte Eigenart Bolos, weisse Handschuhe zu tragen, liess sich durch seine Kolophonium-Allergie erklären (eine Allergie gegenüber Druckerschwärze).

Bolo hatte für alles Aufgesetzte, Falsche und inszenierten Pessimismus nichts übrig. Der Germanist und Professor Louis Wiesmann von der Staatlichen Literaturkredit-Kommission Basel-Stadt schrieb 1963 über ihn:

Bolo ist kein sorgloser Schreiber. Er gibt nur aus der Hand, was vor seinem künstlerischen Gewissen besteht. Bolo hat sich nie einschränken lassen. Er tut, wozu es ihn innerlich treibt, nimmt kein Blatt vor den Mund und wirkt ausgesprochen volksnah. Aber hinter seiner freien, unkomplizierten Art steckt auch ein Gefühlsmensch, der seiner Leserschaft ganz unmodern ans Herz zu rühren weiss. Seine frische, unmittelbare Schreibweise hat ihn beliebt und erfolgreich gemacht.

In einem vorangegangenen Gespräch mit Wiesmann hatte Bolo die folgende programmatische Bekenntnis abgelegt:

Die Wirklichkeit kennt Dunkles und Tragisches, aber auch Helles und Beglückendes – sonst hätte das Leben keinen Sinn. So wenig ich mit Rosabrillen und Illusionen anfangen kann, so wenig mag ich die schwarzen Brillen. Dichtung, die das Leben nicht bejaht, geht für mich an ihrer schönsten Aufgabe vorbei.

Sein Schriftsteller-Kollege Hans Räber sagte einst von ihm:

Bei Bolo funkelt in jedem Satz eine unbestechliche Ehrlichkeit.

Im Vorwort zur zweiten Auflage seiner Fasnachtsnovelle Der Ruesser weiss Heinrich Kuhn über Bolos Bezug zur Fasnacht zu berichten:

Bolo an der Basler Fasnacht als Sujet („Dr Bolo vor em Richter“)

Artisten und Kabarettisten, das war seine Welt. Die Basler Fasnacht aber war seine Hauptspezialität. Vom Fenster des Depeschenbüros aus, im „Haus zum Gold“, dem seinerzeitigen Sitz der National-Zeitung am Markstplatz, hämmerte er jeweils den ganzen Bericht über die Strassenfasnacht primavista in die Schreibmaschine. Dass er die Trommel- und Piccolomärsche nicht nur kannte, sondern auch selbst die Kunst des Trommelns und des Pfeifens übte, machte ihn zum kompetenten Rezensenten u.a. des Monster Drummeli im Küchlin. Die Cliquen nahmen seine Kritik nicht immer widerspruchslos hin und so konnte es nicht fehlen, dass er eines Tages selbst zum Fasnachts-Sujet wurde („Dr Bolo vor em Richter“). Als guter Fasnächtler reagierte er gelassen und mit Humor auf die maskierte Intrige. […] In seiner hintergründigen Novelle erzählt Bolo von einem fasnachtsbesessenen Basler Original. Er selbst war ein solches, mit seinem Basel verwachsenes Original, das um die Geheimnisse und Seltsamkeiten der alten Rheinstadt wusste. Diesem Wissen verstand Bolo Ausdruck zu geben im Ruesser und in vielen Mundartgedichten wie z.B. Dr Knuschti und sy Bach.

Bolo Mäglins literarisches Werk ist ausserordentlich vielfältig. Es liegen aus seiner Feder Gedichte, Novellen, Romane, Dramen, Hörspiele, Theaterstücke, Musicals, Festspiele, Operettenlibretti, Revuen, Kabarettprogramme, Fasnachtsspiele, Schnitzelbänke und „Cliquenzeedel“ vor. Alleine für die Märtplatz-Clique verfasste er beinahe 50 von letzteren. Die „Zeedel“ von 1925-1972, ein Jahr vor Bolos Tod, wurden ihm anlässlich des 50. Jubiläums der Märtplatz-Clique als gebundenes Büchlein geschenkt.
Er bediente sich abwechselnd des Hochdeutschen und des Dialektes (vor allem Baseldeutsch). Zahlreiche seiner Werke und Arbeiten wurden preisgekrönt.

Sein wohl bekanntestes Werk ist der Roman Gilberte de Courgenay. Als Bühnenstück – uraufgeführt am 24. August 1939 im Schauspielhaus Zürich – brachte es die „Gilberte“ auf über 450 Aufführungen. Noch heute erfreut sich die „Gilberte“ bei Profi- und Laientheatern grosser Beliebtheit.

1943 gehörte er zu den Gründern des Basler Schriftsteller-Vereins, in dem er viele Jahre als Vizepräsident amtierte.

Bolo 1971, 2 Jahre vor seinem Tod (Foto: Basler Staatsarchiv).

1973 verstarb Bolo im Alter von 74 Jahren im Basler St. Clara-Spital an den Folgen einer Kehlkopfkrebs-Erkrankung. Eine damalige Angestellte erinnert sich (unter Nachrufe auf dieser Seite) an seine geduldige, liebenswürdige Art.

Im Jahr 2005 wurde im Ortsmuseum Binningen im Rahmen einer Vernissage eine Gedenkvitrine eingeweiht, in welcher neben einer kleinen Auswahl seines breiten Schaffens auch zahlreiche Gegenstände aus seinem Alltagsleben zu sehen sind. Per Knopfdruck lassen sich einige seiner Gedichte, von Bolo persönlich vorgetragen, abspielen.

Seit August 2014, rund 40 Jahre nach Bolos Tod, trägt ausserdem ein Weg, der von Binningens Margarethenstrasse in den Bruderholzrain führt, seinen Namen.

Einweihung des Bolo-Mäglin-Weges – Binninger Anzeiger Nr. 29-101 – 21. Aug 2014