Wer jung verehelicht, der merkt nach Tagen:
Zu den gemeinsten aller Erdenplagen
Doch wirklich so ein Weckerlärm gehört,
Weil er, so oft er klingt, ganz einfach stört.
Jedoch so ist es nun einmal im Leben:
Man muss sich schliesslich doch einmal erheben ;
Zur Arbeit muss der „Schatz“, es ruft die Pflicht –
Und ohne guten Kaffee geht das nicht!
Inzwischen ist auch ER nicht ungalant:
Er nimmt die zarten Schühlein in die Hand
Und denkt dabei: “ Welch Füsslein, zart und klein!
Und welch ein Glück, dies Füsslein – das ist mein!“
Dann freut er sich: Sie weiss den Knopf zu machen!
(Bild: Sie bindet ihm die Kravatte.)
Jetzt hat im Bureau niemand mehr zu lachen,
Weil die Kravatte meistenteils verrutscht –
Jetzt sitzt der Binder, dass es nur so flutscht!
Zuletzt erspäht SIE noch mit Sperberblick:
Es fehlt ein Knopf! Rasch näht sie mit Geschick,
(Bild: Sie näht ihm einen Knopf an.)
Dass auch in d e m Fall kein Kollege lacht
Und meint, die Frau geb’ auf den Mann nicht acht!
ER – ins Geschäft. Sie auf den Markt. Sie weiss:
Auch gutes Kochen hält die Liebe heiss!
„Es gibt was Feins! ’s gibt deine Lieblingssachen!“
( Da würd ich eine liebere „Luegi“ machen!).
Diesen Vers als Moral:
So liebevoll geht ’s meist im ersten Jahre –
Da, wo ’s so bleibt – da ist ’s das Einzigwahre!
Würd’ niemand in den Alltagstramp verfallen –
Wie wär die Ehe herrlich bei uns allen!
Verfasst für eine bebilderte „Doku Soap“ ums Heiraten,
publiziert in einem Jahresmagazin am 10. Juli 1927.
