Babbi … bisch Du fromm?

“Babbi…bisch Du fromm?”
Das isch e Froog vom Fröögli – liebe Gott:
Wenn y nur wisst, was y druff sage sott!
Jä – “bisch Du fromm?” Wie gseht’s uus in mir inne?
Y waiss es nit…mues mi zerscht sälber bsinne.
Isch ’s Frommsy schwär? Isch ’s lycht? Wie fangt me ’s a?
Me mues glaub zue den Auge ’s Härz off ha!
Wird’s mer vor Laid und Fraid bald kalt, bald haiss –
Wie isch’s ächt? Biny fromm? ’s ka sy…wär waiss…

Wenn y am sunnegoldige Maienobe
En Amsle her, ganz hoch vom Känel obe,
Wo häl vergoht im wundersame Singe
Und vor Gliggsäligkait fascht mecht verspringe,
Und ’s wird mer pletzlig aigetimlig z’muet,
Ass stäggti mir die Melody im Bluet,
So dass y juble mecht – doch y verdrugg’s
Und stand ganz myslistill und mach kai Muggs…
Biny dernode fromm?

Wenn y im Winter näbscht em Silberschnee
D’Ysblueme an de Schybe schimmere gseh,
Wo sich dr Sunnestrahl drininne bricht –
E Himmelswunder und e Märligschicht,

Vo Ängel gstiggt in ihrer scheenschte Luun –
Wenn y do lueg und schlugg und wortlos stuun –
Biny dernode fromm?

Und wenn y mit em Kind am Weijer laaitsch,
Loos d’Unken-Orgele oder ’s Fischgegaitsch,
Und zaig em in dr Tiefi mängi Spur
Vom Läbeskampf vo jeder Kreatur:
E Schwimmer, wo in Ändifungge flitzt,
E Molch, wo gyrig an ere Larve sitzt –
E Larve, wone Rosskopf gfrässig paggt –
En Imbi, wo vor Honiglascht versaggt –
E Wasserjumpfere uff dr Jagd noh Mugge,
Wo hochzytsfroh im Sunnestrahl verzugge –
Biny dernode fromm?

Wenn y uff irgend emene Hubel stand
Und gseh im Sunneglascht my Haimetland:
Die stille Waide ohne Änd und Määss,
Her ’s Härdeglytt rings um die Maiesäss,
Gseh wyssi Zaggen uus em Alperand
Und gspyr die unsichtbari Schepferhand,
Gspyr Himmelsfride, wo mer nyt ka raube –
Biny dernode fromm?
Fascht mecht y’s glaube…


Veröffentlicht am 3. Auguscht 1962.