Artisten

Sie waren einstmals vogelfrei
In aller Herren Ländern;
Sie hatten selten Geld im Sack,
Sie galten als Zigeunerpack – – –
Wie sich die Zeiten ändern!

Heut weiss man: Leute sind 's wie wir,
Ob Heiden, Juden, Christen;
Ein jeder nach Vollendung ringt –
Dass er 's zur "Grossen Nummer" bringt,
Ist Ehrgeiz des Artisten.

Nicht seine Senhsucht ist 's allein:
Sie ist uns Menschen eigen!
Nur haben 's viele gar nicht schwer:
Sie bluffen gut – "man" stellt sie her,
Sie spielen erste Geigen;

Man sieht nicht, was sie wirklich sind –
Wie anders bei Artisten:
Da setzt der Mensch sich völlig ein,
Und hinter Bluff muss Können sein,
Da helfen keine Listen.

Da sitzen wir, das Publikum
(Zum Teil getrost snobistisch) –
"Kanonen", die erwähnen wir,
Bei kleinen Nummern gähnen wir
(Darin sind wir "artistisch").

Wir denken oft daran vorbei:
Der Mensch im Bühnenschimmer
Fühlt Freud, wie wir, fühlt Leid, wie wir,
Er hofft, wie wir, er sehnt, wie wir –
Nur: Das vergisst man immer.

Es wäre schön, wir dächten uns
(Ob grosse, kleine Nummer):
"Was könnten wir an jenem Ort?"
Doch leider ist – mit einem Wort –
Das unser kleinster Kummer.

So kommt der Mensch, so geht der Mensch
Mit Requisitenkisten;
Man spricht von ihm bejubelt ihn,
Und andern Tags vergisst man ihn –
Das sind sie, die Artisten.

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