Zu Besuch bei «La Petite Gilberte»

evelyne bernasconi mamie et bruno bernasconiWir waren am Wochenende essen. Etwas abseits von Basel, im verschlafenen Jurassier-Dörfchen Courgenay bei Pruntrut. Warum? Lasst mich euch eine kleine Geschichte erzählen.

Vor über zehn Jahren kaufte ein Aargauer Ehepaar, Evelyne Bernasconi-Mamie und ihr Mann Bruno Bernasconi, das «Hôtel de la Gare» in Courgenay. Wobei, man müsste eher von einer Rettung sprechen.

Denn das heimelige, traditionsbewusste Hotelrestaurant, die Denkstätte der Gilberte de Courgenay, musste bereits 1997 geschlossen werden, da dem Kanton das Geld fehlte, um die Stätte weiterzuführen. Nach Gründung einer Stiftung durch einen privaten Mäzen und einer darauffolgenden Sanierung erfolgte die Wiedereröffnung des Hauses 2001. Als sich der private Mäzen nach erfolgter Sanierung allerdings zurückziehen wollte, geriet die Stiftung in Schwierigkeiten: Der Mäzen verlangte eine halbe Million zur Finanzierung seines Lebensabends zurück. Neue Geldgeber wurden nicht gefunden. 2003 ging die Stiftung in Konkurs. Darauf folgte über ein Jahrzehnt voller Warten, Bangen und Hoffen. Sollte sich kein geeigneter Käufer und Nachfolger finden, dem die Erinnerung an das Leben und Wirken der sagenumwobenen, schweizerischen Ikone Gilberte de Courgenay etwas bedeutete, würde dem Hotelrestaurant inkl. Denkstätte das endgültige Aus drohen. 2015 wurde eine Zwangsversteigerung eröffnet. War die La Petite Gilberte noch zu retten?

«Eine Herzensangelegenheit», wie Evelyne Bernasconi-Mamie, gebürtige Jurassierin, betont. Sie selbst hatte nie Ambitionen, ins Wirtegeschäft einzusteigen. Ihrem Mann Bruno Bernasconi, der während seines Jusstudiums ein Praktikum in Pruntrut gemacht und sich in die Region verliebt hatte, gelang es irgendwie ihr die Idee einzupflanzen, die Gelegenheit beim Schopf zu packen und «das Richtige zu tun». Die Bernasconis bekamen den Zuschlag. Und halten La Petite Gilberte seither mit viel Herzblut lebendig.

Uns Nachkommen Bolos, ohne den der «Mythos Gilberte» vermutlich nicht in diesem Mass existieren würde und das «Hôtel de la Gare» womöglich schon früher unter den Hammer gekommen wäre, freut das natürlich ausserordentlich!

Filets de truite du Doubs meunière
Filets de truite du Doubs meunière, eine der vielen lokalen Köstlichkeiten im Hôtel de la gare

Ein offensichtlicher Grund, den Bernasconis in Courgenay (endlich) mal einen Besuch abzustatten. So genossen wir letzten Sonntag ein wunderbares Mittagessen in La Petite Gilberte. Vom «Filet de boeuf au beurre et herbes avec sauce morilles» bis zu den «Filets de truite du Doubs meunière» liess das Menü wirklich keinerlei Wünsche offen. Unsere drei Kinder liessen sich gar ein «Bestes Restaurant, in dem wir je waren!» entlocken. Kindermund tut Wahrheit kund.

familie mäglin im hotel de la gare 2mar26Die gelegentlichen Plaudereien mit den Patrons (die neben exzellenten Gastgebern auch tolle Geschichtenerzähler sind und mit ihrem Wissen sogar mir als Autor dieser Seite noch Neues zur Gilberte vermitteln konnten) sowie ein anschliessender Spaziergang zu den nahegelegenen Grottes de Saint-Nicolas rundeten den Tag zu einem wirklich tollen Erlebnis für gross und Klein ab.

Wir danken den Bernasconis und wünschen ihnen mit ihrer «Petite Gilberte» noch ganz viele erfolgreiche, spannende Jahre. Wir werden sicherlich wiederkommen!

PS: Der Besuch hat sich auch in dokumentarischer Hinsicht gelohnt. Dank Bruno Bernasconi wissen wir jetzt nämlich, dass es vom Gilberte-Roman nicht nur zwei, sondern drei verschiedene Ausgaben gab. Die Zweitauflage erschien nämlich ebenfalls als Taschenbuch mit einem schönen Aquarellbild auf dem Umschlag. Lasst die Suche in den Antiquariaten beginnen!

Gilberte Zweitausgabe als Taschenbuch

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