Denkst du daran?

Hat dich die Amme einst es nicht gelehrt,
Trankst du es nicht mit Muttermilch in dich,
Als du noch Säugling warst –

Und als des Unbewussten ersten Seins
Formlose Hülle barst:
Als du zur Schule kamst, nichtsahnend Kind,
Glücklich (denn: lebensfremd – wie Kinder sind) –
Hat da der Lehrer Schar,
Die dich weiss Gott mit manchem doch beschwert,
Dich’s nicht gelehrt –

Hat dich’s das Elternpaar
Zu lehren nicht bedacht, weil es zu sehr
Im Müdemacherjoch des Alltags stand –

Nahm dann der Staat dich her
(Der plötzlich dich besteuernswert befand)
Und lehrt‘ dich’s nicht –

Hast du’s im Unterricht
Der Kirche nicht gelernt – so ist’s ein Grund,
Dass du noch heut aus Dir es lernst zur Stund:

Muss Kämpfen sein . . . dann kämpfe um ein Ziel,
Das Jeden braucht, zugleich von jedem viel
Aus Innerstem, kämpf um ein Menschengut,
Das jedes Opfers wert an Gut und Blut:
Kämpf um die Nächstenliebe! Nicht ums Wort,
Das du (als Wort nur) oft hörst da und dort,
Nein: um die Tat! Denn: sie allein nur zählt!

Wieviele Tausend gibt es, die gequält
In Not und Lebenskampf ihr Dasein fristen?
Wieviel Millionen gibt’s, die heissen Christen,
Doch keiner weiss, dass er an jeder Stätte
Auf unsrer Welt Millionen Brüder hätte,
Millionen Schwestern!

Dachtest du’s nicht gestern,
So denk es heute, morgen, alle Zeit:
Nicht nur den Krieg in alle Ewigkeit,
Nein, jede Menschenfeindschaft sollst du hassen,
Vom Kampf um bessres Menschentum nicht lassen:
Krieg jeder Feindschaft . . . ewig: Krieg dem Krieg –
Führ aus das Wort – es wird dein schönster Sieg!


Motto zum Festspiel Labor et Pax („Arbeit und Friede“) von 1928.
„Für die Vereinigung Deutscher Basel zu deren zehntem Jahr des Bestehens und zur Jubiläumsfeier verfasst und inszeniert von Rudolph B. Maeglin“

Dieses Gedicht findet Erwähnung durch Hans Christian Blumer in der Einleitung von Unvergessene Basler Dichter 3:

Bolo hat Basel und die Schweiz geliebt, das Militär oder den Krieg hat er aber nie glorifiziert, zu sehr waren ihm Hass und jegliche Art von Feindschaft zuwider. Davon legt besonders schön das Gedicht „Denkst du daran?“ Zeugnis ab, das er als Prolog seinem Festspiel „Labor et Pax“ (1928) voranstellte.

Denkst du daran? Flyer

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